Friday, August 12, 2005

The Asian way

Ich moechte mich mit dem Verweise auf meine sechs-Tage-Woche mit 12-Stunden-Tagen fuer das laengere Ausbleiben von Postings entschuldigen. Ich bin gerade dabei herauszufinden, wie viel ich aushalten kann, deswegen sitz ich jetzt noch am Freitag abend um 20:40 im Buero statt in der Sushibar. Freiwillig.
Und nun zur kurzen Beantwortung der aufgekommenen Fragen:
1. Hier ist das erste offizielle Foto von Salariman Felix
2. Mit den IT-Leuten mitzuhalten ist schwer und speziell mit dem Tempo bin ich heillos ueberfordert. Ich kann zwar im Prinzip mit Java, HTML, CSS und JSP umgehen, aber ich brauch halt eine ganze Weile um mich in fremden Code einzulesen. Dafuer gebe ich halt vollen Einsatz und versuche nun taeglich, als erster im Buero zu sein und als letzter zu gehen.
3. Die Leute sind so unpolitisch, das kann man sich bei uns gar nicht vorstellen. So lange der Staat sich nicht fuer das Eigentum der Leute interessiert und sie vor Verbrechen zu schuetzen weiss, ist es egal ob der Herrscher Chinese oder Brite, Kommunist oder Monarch ist. Pragmatismus ist eine Tugend und die Deutschen haben sich mit dieser leider schon immer besonders schwer getan.
considering, in return for, for, in favor of, in place of, instead of, pro [fuer]

Thursday, August 04, 2005

Die grosse Kultur-Evolution

Ein immer wieder aufs neue verblueffendes Erlebnis, speziell in der modernen Welt der kurzen Distanzen und stetigen Veraenderungen, ist die hochgradige kulturelle Vielfalt in der der Mensch wahlweise Individualitaet oder Gruppenzugehoerigkeit zum Ausdruck bringt. Ob als Charlottenburger in Kreuzberg, ZEIT-Leser im Olympiastadion oder Englishman in New York - die Tatsache, dass die eigenen Geschmacks- und Wertevorstellungen kulturell vermittelt sind und in der Regel alles andere als universalistisch zu sein pflegen ist so verblueffend wie beaengstigend. Und so scheint es nur allzu selbstverstaendlich dass auch das Verhaeltniss des Menschen zu seinen vierbeinigen Kameraden durch kulturelle Normen gemassregelt ist. Jedenfalls wuerden in Mitteleuropa sofort die Aktivisten von PETA oder aehnlicher organsierter Zivilsationskrankheiten auf den Plan gerufen, wenn man Hunde in Terrarien packen wuerde und zu Ausstellungszwecken im Schaufenster eines Geschaefts deponieren wuerde. Die ChinesInnen hingegen stoeren sich nicht daran, sondern versammeln sich in Scharen vor den Schaufenstern und stossen dabei immer wieder Schreie der Begeisterung ueber die Niedlichkeit der bemitleidenswerten Geschoepfe aus. Mein anfaengliches Entsetzen konnte sich aber etwas legen, als ich feststellte, dass es sich bei besagtem Geschaeft um ein Zoogeschaeft und nicht etwa um eine Metzgerei handelte. Und ausserdem - wenn man das Verhaeltniss von Koerpergroesse zum zur Verfuegung stehenden Raum als Massstab nimmt, schneiden die Hunde im Vergleich zu den Menschen auch gar nicht so schlecht ab. Und so handelt es sich bei der Ware durchweg um Zwergpinscher, Schnauzer und Pekinesen und nicht etwa Schaeferhunde. Waere auch nicht so ganz einfach mit dem Gassi gehen hier.
Wie bereits erwaehnt, verbringt jedenfalls der Chinese - im Gegensatz zu seinem Hund - den groessten Teil seines Alltags ausser Hauses, die Mahlzeiten im Imbiss-Restaurant zu sich zu nehmen ist Standard und im Gegensatz zu mir weiss der Chinese auch was er bestellt. Dass ihm in der globalisierten Welt, nicht nur was die Bevoelkerungszahl und das Wirtschaftswachstum sondern eben auch die kulinarischen Erungenschaften betrift, eine Spitzenposition gebuehrt ist ihm durchaus bewusst und so kann er es sich leisten, dem amerikanischen Kulturimperialismus nicht mit bewundernder Naivitaet sondern mit gesundem Pragmatismus zu begegnen. Konkret heisst das, dass er trotz seiner Vorliebe fuer Fast-Food die hiesigen McDonalds Filialen nicht besonders schaetzt. Im Gegensatz zum Orientalen fuehlt er sich jedenfalls durch die wirtschaftliche Praesenz der Yankees nicht in seiner kulturellen Eigenheit gestoert und da der Cheeseburger fuer ihn einfach uninterssanter als die Nudelsuppe ist, kann er seine Kultur auch problemlos mit dem Geldbeutel im Restaurant (anstatt mit dem Sprengstoffguertel in der U-Bahn)verteidigen. Da die unsichtbaren Haende des Marktes nun dafuer sorgen, dass der Kulturimperialist dazu gezwungen ist die Preise massiv zu senken, stellt der sympathische Franchiser fuer den hungrigen Europaer eine gleichwohl willkommen wie preiswerte Alternative zu Huehnerbein auf Sojakeim dar. Ein Burger zum halben Preis schmeckt jedenfalls gleich doppelt so gut und ausserdem ist es drinnen aussergewoehnlich sauber und ruhig. Kurz: Was dem Chinesen recht, ist dem Europaer billig, oder um es mit Oscar Wilde zu sagen: Die Kultur hängt von der Kochkunst ab!

Tuesday, August 02, 2005

"Ein Dummkopf, der arbeitet, ist besser als ein Weiser, der schläft",

sagt ein altes chinesisches Sprichwort, welches mir nun allmorgendlich just zu dem Moment in den Kopf steigt, in dem mich mein Wecker aus dem Reich der Traeume in die unbarmherzige Realitaet zurueckbefoerdert. Die exotische Umgebung wie auch die durch den Arbeitsalltag gegebene soziale Kontrolle machen den Schritt aus der Horizontalen in die Vertikale dabei deutlich unbeschwerlicher, als dies in den absurden Verhaeltnissen des Unialltags die Norm zu sein pflegt, wenn man es sich mit gutem Grund zweimal ueberlegt, ob es sich denn lohnt, den bequemen Schlafplatz des Bettes gegen den unbequemen Schlafplatz des Hoersaals einzutauschen. So weit so gut, obwohl ich puenktlich um 9:00 im Buero erscheine, kommt mir das Gros meiner Kollegen zuvor - die inoffizielle Office Hour scheint bereits eine Stunde frueher zu beginnen.
In den ersten paar Tagen sah das Induction Program der Firma einige Meetings zwischen mir als Trainee und den diversen Abteilungsleitern vor, die mir die Aufgabe ihres jeweiligen Departments praesentierten. War mir das organisatorische und soziale Gefuege einer grossen Firma bislang in etwa so vertraut wie das eines Stammes im Dschungel von Papua-Neuguinea, konnte ich nun einige Bildungsluecken schliessen. Administrative Department, Finance Department, Merchandise Department, OVH Department uswusf. Alle Leute machten einen sehr kompetenten EIndruck auf mich und wirkten auch deutlich motivierter als meine Betreuerin vom Human Resource Department. Es ist tatsaechlich aeusserst faszinierend wie die verschiedenen Raeder ineinandergreifen und wie vielfach effizienter Arbeitsteilung dann funktioniert, wenn sie ausserhalb von WGs stattfindet ;-).
Die Zeit die ich dann zwischen den verschiedenen Treffen vorm Computer verbrachte war wengier spannend, da das Team mit dem ich zukuenftig arbeiten sollte noch in ein anderes Projekt involviert war und ich mir alleine doch etwas ueberfordert mit der Recherche nach vielversprechenden Webportalen vorkam. Bei der Softwarerecherche fuehle ich mich oft wie Herakles im Kampf gegen die Hydra (na ja, nicht ganz so mutig vielleicht). Jedesmal wenn ich ihr einen Kopf abgeschlagen habe, d.h. ein mir unbekanntes Stichwort zu ergruenden gesuche, tauchen in der Erklaerung mindestens zwei neue auf, deren Verstaendnis fuer die Beschaeftigung mit dem vorher erwaehnten unabdingbar zu sein scheint. Das ganze laesst sich natuerlich rekursiv fortsetzen und wenn man nicht aufpasst ist man ganz schnell bei Adam und Eva (d.h. bei Bit und Byte), aber leider ist absolut kein Baum der Erkenntnis in der Naehe. Man muss also lernen, seine Recherche auf das notwendigste zu beschraenken, und um eine Idee von der Notwendigkeit zu bekommen, sollte man wissen, was man eigentlich will, bzw. worauf das ganze hinauslaufen soll. Erstaunlich viele Analogien zum richtigen Leben im Grunde genommen - und, wie im richtigen Leben, war mir genau dies nicht so wirklich klar. Den Unterschied zum richtigen Leben bekam ich dann allerdings am Freitag praesentiert, als sich unser Team zusammensetzte, die Ziele besprach und die Aufgaben verteilte. Als Portal (ich hatte inzwischen eine einigermassen klare Vorstellung davon, um was es sich dabei handelt) wurde Liferay auserkoren, eine auf Java basierende Web-Application. Cool, dachte ich dass klingt nach programmieren, ein bisschen hier und da rumprobieren, Knoepfchen druecken, kryptischen Code editieren. Doch ich hatte mich zu frueh gefreut, denn sogleich wurde mir die naechste Hydra mit dem Namen "Content Management System" vorgestellt. Meiner Kollegin Cosette und mir kam die Aufgabe zuteil, die naechste Woche mit der Recherche nach einem auf Java basierenden Open Source CMS zu verbringen. Ausserdem sollte das CMS eine Integration in unser Portal unterstuetzen, moeglichst unter GPL lizensiert sein und sich durch Benutzerfreundlichkeit auszeichnen. Es gab also genug zu tun und ich ging mit der Gewissheit nach hause, dass ich allen Unkenrufen zum Trotz das richtige Fach zum richtigen Leben studiere. Gute Planung macht den halben Erfolg und der Softwarearchitekt kann sich gluecklich schaetzen, dass er widerspruchsfreie Tutorials zur Verfuegung haben kann, so er zu recherchieren weiss.

Monday, August 01, 2005

Wie Gott in China

In der Mittagspause versammelte sich eine ganze Truppe von Leuten aus meinem Department um mit mir zum Mittagessen zu gehen. Naehere Bekanntschaft hatte ich bisher nur mit Albert, meinem direkten Vorgesetzten, dem Chef des Web-Development-Teams gemacht. Ich war mir nicht ganz sicher ob das Teil einer Begruessungszeremonie war, aber als wir das intendierte Restaurant erreichten und an einer fuerstlichen Tafel Platz nahmen, bestaetigte sich die Vermutung. Ein bisschen aengstlich war ich dann schon, mit meinen 15 zukuenftigen chinesischen Kollegen an einem Runden Tisch sitzend und nicht genaus wissend was mich nun erwartete. In der Mitte des Tisches befand sich eine grosse Drehscheibe zu der alle Teilnehmer bequem Zugriff hatten und auf der alsbald allerlei Koetlichkeiten aufgetischt wurden, von denen ich zwar die wenigsten identifizieren konnte, ich aber dennoch die meisten probierte. Albert bemuehte sich, mir die Zusammensetzung des Mahls zu erklaeren, wenngleich das aufgrund des fehlenden oder unbekannten englischen Vokabulars fuer so manche Dinge nciht ganz einfach war. Die Huehnerfuesse konnte ich noch als solche identifizieren, beim Rindermagen (der dritte, Labmagen war's, ich habs recherchiert!) war das schon schwieriger. Es war wirklich koestlich und stand in keinem Verhaeltniss zu den kulinarischen Enttaeuschungen am ersten Abend. Ein bisschen unangenehm war mir dann aber die doch einigermassen verkrampfte Atmosphaere am Tisch, ich hatte den Eindruck dass die Kollegen sich aufgrund meiner Anwesenheit aus Hoeflichkeit nicht auf Kantonesisch unterhalten wollten und so waren wir dann eine fuer chinesische Verhaeltnisse recht schweigsame Runde, auch wenn ich natuerlich hin und wieder einige Fragen nach meiner Herkunft und meinem Studium zu beantworten hatte. Dies fiel mir leider etwas schwer, da ich mich noch nicht an den chinesischen Akzent gewoehnt hatte . Meine Kunstfertigkeit im Umgang mit den Staebchen veranlasste dann aber einige zu der Annahme, dass mir der asiatische Kulturkreis nicht ganz unbekannt sei und lieferte somit - glaube ich - eine gute Grundlage fuer den kantonesichen Tratsch auf dem Weg zurueck in den Schoss der Firma. Meine Chinesichkenntnisse blieben auf auesserst niedrigem Niveau, aber kaum zurueck im Buero wurden meine Fachchinesischkenntnisse auf die erste Probe gestellt. Naechster Punkt auf dem Induction Program war "Briefing in the IT Department". Ich wurde also mit den Aufgabe konfrontiert, die man so als Programmierer bei Otto Asia zu bewaeltigen hat und wurde in diesem Zusammenhang gleich mit den ganzen Stichwoertern ueberflutet, die mich die naechsten zwei Monate begleiten sollten: Portal - Portlet - Content Management System - Java Enterprise Beans - Liferay - Uportal - JBoss - Tomcat - Struts - Tiles und noch einiges mehr, was mir zu merken mein Kurzzeitgedaechtnis ueberforderte. Am Ende hatte ich soviel verstanden: Die Aufgabe meines Teams in den naechsten zwei Monaten soll es sein, die Website der Firma durch ein Portal upzugraden, um die Firmeninterne Kommunikation auf Basis eines Web-Interfaces zu verbessern. Das klang spannend und mir war klar, dass ich die naechsten drei Tage, in denen ich noch auf Basis meines Induction-Programs die verschiedenen Departments kennenlernen durfte, mich in den freien Minuten einer grossangelegten Nachschlageaktion zu widmen hatte. Schliesslich galt es, eine Grundlage zu entwickeln auf der ich einigermassen in der Lage sein konnte, zu verstehen, was verlangt ist. Das sah zwar nicht ganz einfach aus, aber ich hatte Vertrauen zu meiner Motivation und zu Wikipedia!