Ein erster Kulturschock
Das Auschecken ging ueberraschend problemlos vonstatten. Eine Weile musste ich vor dem Gate umherirren, bis ich dem Driver, Mr. Lee Ka Kwong, begegnete. Zu meiner Ueberraschung war meine Vorgesetzte bei Otto Asia, Mrs. Fanny Yeung, auch mitgekommen, was mich schon in die erste Bredouille brachte: In Sekundenbruchteilen entscheiden, wen man jetzt zuerst wie begruesst. Ich entschied mich spontan fuer den Herrn, hatte aber kurz darauf den Eindruck, dass das nicht ganz korrekt war. Nun denn... Auf der Fahrt vom Flughafen in die City haben wir uns dann ganz gut unterhalten. Wie denn mein Studium ist, ob ich schonmal in Asien war, ob ich Chinesisches Essen mag u.s.w. Als wir dann in die Schluchten zwischen 80stoeckigen Wolkenkratzern abtauchten verfiel ich dann doch einen Moment in ehrfuerchtiges Schweigen. Ueberrascht haben mich zudem die weithin sichtbaren Berge, die direkt hinter dem Stadtzentrum liegen und zumindest aus der Distanz wie ein Stueck unberuehrte Natur an der Grenze zur Hardcore-Zivilisation anmuten. Zu guter letzt ging es dann auch noch durch einen Tunnel und schon waren wir in Hong Kong Island. Fanny brachte mich dann zu meinem Appartement im Stadtviertel Causeway Bay und erklaerte mir Detailgetreu wie Schluessel, Lichtschalter und Ventilator funktionieren und auf was ich sonst noch so alles achten muss. Dann war sie schon wieder weg und ich machte mich frisch, um einen ersten Erkundungszug durch das Hongkonger Nachtleben zu starten - es war inzwischen schon 19:30 local Time. Zu meinem Zimmer gibt es nicht viel zu sagen. Vierter Stock, spartanisch aber gross genug um zu ueberleben, integrierte Nasszelle, ausserdem Kuehlschrank, Mikrowelle und Ventilator. In zehn Tagen werde ich aber wie's aussieht wieder umgesiedelt.
Mit dem Ziel, eine Telefonkarte und ein gutes Essen zu ergattern, verliess ich das Haus und stuerzte mich ins Getuemmel. Ich wusste ja in etwa, was mich erwartet, aber wenn man dann tatsaechlich alleine inmitten von Wolkenkratzern, hektischen Chinesen und Leuchtreklameschildern steht, fuehlt man sich doch etwas mulmig. Nach Jahrelanger Dritte-Welt-Erfahrung war es zudem ein ganz n neues Gefuehl, durch eine fremde Stadt zu schlendern und von den Menschen um mich herum nicht beachtet zu werden. Kein "Hello my Friend", kein "you want to buy special price"... Nach 15 Minuten hatte ich genug Luft geschnuppert um mir ein Bild zu machen: Der durchschnittliche Honkongese ist weiblich, kleidet sich bevorzugt in Rosa, hat eine Vorliebe fuer Kitsch-Accessoires und verbringt seinen Abend damit, mobiltelefonierenderweise von einem Konsumtempel zum naechsten zu stolzieren. Die Liberalen Ladenschlussgesetze kommen ihm dabei total entgegen. Dabei ist er auesserst laut und scheint im Gegensatz zu mir absolut Stressresistent zu sein. Vor einem besonders interessante Restaurant mit viel Blinkenden und Tutenden Schildern bleibt er auch gerne einmal stehen, bildet Grueppchen und wartet auf Einlass. Der Vielzahl an Restaurants und Imbissbuden und ihrer jeweiligen Besetzungsdichte nach zu schliessen, speist der Hongkongese nur ungern zu hause. Als Preisbewusster Kunde brauchte ich eine Weile um die Speisegelegenheit meiner Wahl ausfindig zu machen, und entschied mich dann doch relativ spontan fuer eine sehr "einheimisch" wirkende einfache Spelunke. Fuer 30HK$, dass sind ca. 3.50 Euro, bekam ich dann ein duerftiges Chicken mit Reis und eine Tasse Tee, die eher wie Spuelwasser aussah. Doch etwas enttaeuschend. Das "Restaurant" war zudem auesserts zweckmaessig eingerichtet, kleine Tische, Neonlicht, Plastikschalen und -Teller. Mit dem Staebchenessen kam ich ja gluecklicherweise schon vorher zurecht, war dann aber doch erstaunt, als ich feststellte dass die Essmanieren meiner Tischnachbarn trotz Jahrhundertelanger Staebchenerfahrung zumindest nach europaeischen Massstaeben eher "duerftig" waren. Der Chinese scheint zwar gerne zu Essen, sich aber nicht viel Zeit dafuer zu nehmen. Im inoffiziellen Wettbewerb um die schmutzigste Tischdecke war ich jedenfalls hoffnungslos unterlegen...
Zu guter letzt verdrueckte ich mich ins Zimmer und versuchte mehrere Stunden verzweifelt, den Jetlag zu ignorieren und einfach einzuschlafen. Erst die Aufarbeitung meiner Datenbanken-Klausur und die Vorzuege der AitrCon ermoeglichten dieses...
Mit dem Ziel, eine Telefonkarte und ein gutes Essen zu ergattern, verliess ich das Haus und stuerzte mich ins Getuemmel. Ich wusste ja in etwa, was mich erwartet, aber wenn man dann tatsaechlich alleine inmitten von Wolkenkratzern, hektischen Chinesen und Leuchtreklameschildern steht, fuehlt man sich doch etwas mulmig. Nach Jahrelanger Dritte-Welt-Erfahrung war es zudem ein ganz n neues Gefuehl, durch eine fremde Stadt zu schlendern und von den Menschen um mich herum nicht beachtet zu werden. Kein "Hello my Friend", kein "you want to buy special price"... Nach 15 Minuten hatte ich genug Luft geschnuppert um mir ein Bild zu machen: Der durchschnittliche Honkongese ist weiblich, kleidet sich bevorzugt in Rosa, hat eine Vorliebe fuer Kitsch-Accessoires und verbringt seinen Abend damit, mobiltelefonierenderweise von einem Konsumtempel zum naechsten zu stolzieren. Die Liberalen Ladenschlussgesetze kommen ihm dabei total entgegen. Dabei ist er auesserst laut und scheint im Gegensatz zu mir absolut Stressresistent zu sein. Vor einem besonders interessante Restaurant mit viel Blinkenden und Tutenden Schildern bleibt er auch gerne einmal stehen, bildet Grueppchen und wartet auf Einlass. Der Vielzahl an Restaurants und Imbissbuden und ihrer jeweiligen Besetzungsdichte nach zu schliessen, speist der Hongkongese nur ungern zu hause. Als Preisbewusster Kunde brauchte ich eine Weile um die Speisegelegenheit meiner Wahl ausfindig zu machen, und entschied mich dann doch relativ spontan fuer eine sehr "einheimisch" wirkende einfache Spelunke. Fuer 30HK$, dass sind ca. 3.50 Euro, bekam ich dann ein duerftiges Chicken mit Reis und eine Tasse Tee, die eher wie Spuelwasser aussah. Doch etwas enttaeuschend. Das "Restaurant" war zudem auesserts zweckmaessig eingerichtet, kleine Tische, Neonlicht, Plastikschalen und -Teller. Mit dem Staebchenessen kam ich ja gluecklicherweise schon vorher zurecht, war dann aber doch erstaunt, als ich feststellte dass die Essmanieren meiner Tischnachbarn trotz Jahrhundertelanger Staebchenerfahrung zumindest nach europaeischen Massstaeben eher "duerftig" waren. Der Chinese scheint zwar gerne zu Essen, sich aber nicht viel Zeit dafuer zu nehmen. Im inoffiziellen Wettbewerb um die schmutzigste Tischdecke war ich jedenfalls hoffnungslos unterlegen...
Zu guter letzt verdrueckte ich mich ins Zimmer und versuchte mehrere Stunden verzweifelt, den Jetlag zu ignorieren und einfach einzuschlafen. Erst die Aufarbeitung meiner Datenbanken-Klausur und die Vorzuege der AitrCon ermoeglichten dieses...

1 Comments:
Dame vor Herr, Chef vor Chauffeur .. aber noch hast du ja deinen Job :) Viel Erfolg mit dem ganzen Datenbankschotter.
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