Wie Gott in China
In der Mittagspause versammelte sich eine ganze Truppe von Leuten aus meinem Department um mit mir zum Mittagessen zu gehen. Naehere Bekanntschaft hatte ich bisher nur mit Albert, meinem direkten Vorgesetzten, dem Chef des Web-Development-Teams gemacht. Ich war mir nicht ganz sicher ob das Teil einer Begruessungszeremonie war, aber als wir das intendierte Restaurant erreichten und an einer fuerstlichen Tafel Platz nahmen, bestaetigte sich die Vermutung. Ein bisschen aengstlich war ich dann schon, mit meinen 15 zukuenftigen chinesischen Kollegen an einem Runden Tisch sitzend und nicht genaus wissend was mich nun erwartete. In der Mitte des Tisches befand sich eine grosse Drehscheibe zu der alle Teilnehmer bequem Zugriff hatten und auf der alsbald allerlei Koetlichkeiten aufgetischt wurden, von denen ich zwar die wenigsten identifizieren konnte, ich aber dennoch die meisten probierte. Albert bemuehte sich, mir die Zusammensetzung des Mahls zu erklaeren, wenngleich das aufgrund des fehlenden oder unbekannten englischen Vokabulars fuer so manche Dinge nciht ganz einfach war. Die Huehnerfuesse konnte ich noch als solche identifizieren, beim Rindermagen (der dritte, Labmagen war's, ich habs recherchiert!) war das schon schwieriger. Es war wirklich koestlich und stand in keinem Verhaeltniss zu den kulinarischen Enttaeuschungen am ersten Abend. Ein bisschen unangenehm war mir dann aber die doch einigermassen verkrampfte Atmosphaere am Tisch, ich hatte den Eindruck dass die Kollegen sich aufgrund meiner Anwesenheit aus Hoeflichkeit nicht auf Kantonesisch unterhalten wollten und so waren wir dann eine fuer chinesische Verhaeltnisse recht schweigsame Runde, auch wenn ich natuerlich hin und wieder einige Fragen nach meiner Herkunft und meinem Studium zu beantworten hatte. Dies fiel mir leider etwas schwer, da ich mich noch nicht an den chinesischen Akzent gewoehnt hatte . Meine Kunstfertigkeit im Umgang mit den Staebchen veranlasste dann aber einige zu der Annahme, dass mir der asiatische Kulturkreis nicht ganz unbekannt sei und lieferte somit - glaube ich - eine gute Grundlage fuer den kantonesichen Tratsch auf dem Weg zurueck in den Schoss der Firma. Meine Chinesichkenntnisse blieben auf auesserst niedrigem Niveau, aber kaum zurueck im Buero wurden meine Fachchinesischkenntnisse auf die erste Probe gestellt. Naechster Punkt auf dem Induction Program war "Briefing in the IT Department". Ich wurde also mit den Aufgabe konfrontiert, die man so als Programmierer bei Otto Asia zu bewaeltigen hat und wurde in diesem Zusammenhang gleich mit den ganzen Stichwoertern ueberflutet, die mich die naechsten zwei Monate begleiten sollten: Portal - Portlet - Content Management System - Java Enterprise Beans - Liferay - Uportal - JBoss - Tomcat - Struts - Tiles und noch einiges mehr, was mir zu merken mein Kurzzeitgedaechtnis ueberforderte. Am Ende hatte ich soviel verstanden: Die Aufgabe meines Teams in den naechsten zwei Monaten soll es sein, die Website der Firma durch ein Portal upzugraden, um die Firmeninterne Kommunikation auf Basis eines Web-Interfaces zu verbessern. Das klang spannend und mir war klar, dass ich die naechsten drei Tage, in denen ich noch auf Basis meines Induction-Programs die verschiedenen Departments kennenlernen durfte, mich in den freien Minuten einer grossangelegten Nachschlageaktion zu widmen hatte. Schliesslich galt es, eine Grundlage zu entwickeln auf der ich einigermassen in der Lage sein konnte, zu verstehen, was verlangt ist. Das sah zwar nicht ganz einfach aus, aber ich hatte Vertrauen zu meiner Motivation und zu Wikipedia!

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